Testament & Erbrecht

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer in Österreich: Aktueller Stand

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer in Österreich: Aktueller Stand

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer in Österreich: Wichtige Fakten für Ihre Nachlassplanung

Die Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer in Österreich wurde 2008 abgeschafft – ein wichtiger Vorteil für die Vermögensübertragung. Dennoch gibt es weiterhin steuerliche Aspekte und Meldepflichten, die Sie bei der Nachlassplanung unbedingt beachten sollten. Als Rechtsanwalt erkläre ich Ihnen die aktuelle Rechtslage und zeige auf, welche Regelungen trotz der Abschaffung noch relevant sind.

Abschaffung der Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer

Seit 1. August 2008 ist die Erbschaftssteuer in Österreich abgeschafft. Diese Entscheidung basierte auf einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs, der das damalige Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz wegen Verstoßes gegen den Gleichheitssatz aufhob. Seitdem müssen Erben grundsätzlich keine Erbschaftssteuer mehr zahlen.

Die Abschaffung umfasst sowohl:

Ausnahmen: Wann doch Steuern anfallen können

Grunderwerbsteuer bei Immobilien

Obwohl die Erbschaftssteuer Österreich nicht mehr kennt, fallen bei der Übertragung von Immobilien andere Steuern an. Die Grunderwerbsteuer beträgt grundsätzlich 3,5% des Verkehrswerts der Immobilie. Bei unentgeltlichen Übertragungen unter nahen Angehörigen (Ehepartner, Kinder, Enkel) gibt es jedoch Befreiungen oder Begünstigungen.

Immobilienertragssteuer (ImmoESt)

Die Immobilienertragssteuer von 30% kann bei Veräußerung von Immobilien anfallen, die nach dem 31. März 2002 erworben wurden. Bei Erbschaften gelten besondere Regelungen: Die Spekulationsfrist läuft auch beim Erben weiter, wodurch oft eine steuerfreie Veräußerung nach zehn Jahren möglich ist.

Meldepflichten und formale Anforderungen

Anzeigepflicht bei größeren Vermögen

Auch ohne Erbschaftssteuer bestehen weiterhin Meldepflichten. Erbschaften und Schenkungen von mehr als 15.000 Euro müssen dem Finanzamt binnen drei Monaten gemeldet werden. Diese Anzeigepflicht dient der steuerlichen Kontrolle und erfasst:

Verlassenschaftsverfahren und Gerichtsgebühren

Das Verlassenschaftsverfahren nach dem ABGB ist weiterhin erforderlich. Dabei fallen Gerichtsgebühren an, die sich nach dem Wert des Nachlasses richten. Die Gebühren betragen zwischen 178 Euro und maximal 17.816 Euro, abhängig vom Nachlasswert.

Steuerliche Aspekte bei der Nachlassplanung

Einkommensteuer bei vererbten Einkünften

Während keine Erbschaftssteuer anfällt, müssen Erben die laufenden Einkünfte aus vererbtem Vermögen versteuern. Dazu gehören:

Bewertung des Nachlasses

Für verschiedene Zwecke muss der Nachlass bewertet werden. Dabei sind die Verkehrswerte zum Todeszeitag maßgebend. Eine professionelle Bewertung ist besonders wichtig bei:

Internationale Aspekte und Doppelbesteuerungsabkommen

Auslandsvermögen und Erbschaftssteuer

Obwohl Österreich keine Erbschaftssteuer erhebt, können bei Auslandsvermögen ausländische Erbschaftssteuern anfallen. Hier ist eine sorgfältige Planung erforderlich, um Doppelbelastungen zu vermeiden. Relevant sind dabei:

Doppelbesteuerungsabkommen

Österreich hat mit vielen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, die auch Erbschaftssteuern umfassen können. Diese Abkommen regeln, welcher Staat das Besteuerungsrecht hat und wie eine Doppelbesteuerung vermieden wird.

Strategien für die optimale Nachlassplanung

Lebzeitige Vermögensübertragung

Da keine Schenkungssteuer anfällt, können Sie Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen. Dabei sollten Sie jedoch beachten:

Gesellschaftsrechtliche Gestaltungen

Für Unternehmer bieten gesellschaftsrechtliche Strukturen Möglichkeiten zur steueroptimierten Vermögensübertragung. Dabei sind verschiedene Rechtsformen wie GmbH, Privatstiftung oder Familienstiftung zu prüfen.

Besondere Situationen und Fallstricke

Überschuldete Erbschaften

Bei überschuldeten Nachlässen ist besondere Vorsicht geboten. Erben sollten prüfen, ob eine Erbschaftsannahme sinnvoll ist oder ob eine Ausschlagung der Erbschaft erfolgen sollte. Dabei sind die Fristen des ABGB zu beachten.

Unternehmensnachfolge

Die Übertragung von Unternehmen erfordert spezielle Planung. Neben steuerlichen Aspekten sind auch gesellschaftsrechtliche, arbeitsrechtliche und familienrechtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Praktische Tipps für die Nachlassplanung

Eine professionelle Nachlassplanung sollte folgende Elemente umfassen:

Zukunftsausblick: Mögliche Wiedereinführung

Obwohl die Erbschaftssteuer derzeit abgeschafft ist, wird in politischen Diskussionen immer wieder ihre Wiedereinführung debattiert. Eine Neugestaltung würde voraussichtlich höhere Freibeträge und eine verfassungskonforme Ausgestaltung umfassen. Daher sollten Sie Ihre Nachlassplanung flexibel gestalten.

Fazit: Professionelle Beratung ist entscheidend

Trotz der Abschaffung der Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer in Österreich gibt es weiterhin wichtige steuerliche und rechtliche Aspekte bei der Nachlassplanung. Die Meldepflichten, Grunderwerbsteuer bei Immobilien und internationale Aspekte erfordern eine sorgfältige Planung. Eine frühzeitige und professionelle Beratung hilft dabei, Ihre Vermögensübertragung optimal zu gestalten und unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

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